Depression: MRT zeigt vergrößerte Hirnregion zur Stresskontrolle

Depression: MRT zeigt vergrößerte Hirnregion zur Stresskontrolle
Bei Depressionen und bipolarer Störung sind einige Regionen des Hypothalamus vergrößert (rot), einige sind jedoch auch verkleinert (gelb) (©Acta Psychiatrica Scandinavica)

Obwohl Depressionen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland gehören, ist noch immer unklar, wodurch sie verursacht werden. Der Hypothalamus spielt dabei eine Rolle, wie eine aktuelle MRT-Studie zeigen.

  • Datum:
    24.09.2018
  • Autor:
    V. Müller (mh/ktg)
  • Quelle:
    Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

In einer Studie mit insgesamt 84 Probanden haben Leipziger Wissenschaftler herausgefunden, dass bei Personen mit einer affektiven Störung der linke Hypothalamus um durchschnittlich fünf Prozent größer ist als bei Gesunden. „Wir haben beobachtet, dass diese Hirnregion sowohl bei Menschen mit einer Depression als auch mit einer bipolaren Störung, als zwei Formen der affektiven Störung, vergrößert ist“, erklärt Stephanie Schindler, Erstautorin der zugrundeliegenden Studie. Dabei habe sich in einer der depressiven Patientengruppen auch gezeigt, dass diese etwa Ein-Cent-große Hirnregion umso größer war, je schwerer die Krankheit war. Medikamente wie Antidepressiva hätten wiederum keinen Einfluss auf die Größe des Hypothalamus gehabt.
Für die zerebrabele Bildgebung kam die hochaufgelöste 7-Tesla-MRT zum Einsatz, die Schwere des psychischen Leidens ermittelten die Wissenschaftler mithilfe standardisierter Fragebögen und Interviews.

Bekannt war bislang, dass bei vielen Menschen mit einer erhöhten Veranlagung zur Depression eines der körpereigenen Stresssysteme nicht richtig funktioniert: Die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, kurz HPA-Achse, wird normalerweise hochgefahren, wenn wir uns in einer stressigen Situation befinden. Dann schüttet es vermehrt Cortisol aus, das wiederum bewirkt, dass der Körper mehr Energie bereitstellt und er sich seiner Herausforderung stellt. Sobald die Ausnahmesituation vorüber ist, sorgen verschiedene Stellschrauben innerhalb der HPA-Achse gewöhnlich dafür, dass das System wieder heruntergefahren wird.

Bei Menschen mit Depressionen oder einem erhöhten Risiko dafür ist das jedoch nicht der Fall. Hier funktioniert der Rückkopplungsmechanismus nicht. Sie leiden unter einem hyperaktiven Stresssystem, das auf Hochtouren läuft, obwohl es keine offensichtliche Stresssituation gibt. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, warum bei den Betroffenen das Stresssystem hyperaktiv ist und welche Rolle dabei möglicherweise der Hypothalamus als übergeordnete Steuereinheit dieses Systems spielt.

Zur Studie in Acta Psychiatrica Scandinavica