RöKo 2021 – Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland mit Optimierungspotenzial

RöKo 2021 – Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland mit Optimierungspotenzial

Im Screening von Frauen mit normalem Risikoprofil und einer Brustdichte von 3 oder 4 schwächelt die Mammographie. Die MRT dagegen stellt auch die kleinen Karzinome zwischen 3 und 10 Millimetern dar – ein Quantensprung.

  • Präsentationstag:
    23.09.2021 3 Kommentare
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    Uwe Fischer, Diagnostisches Brustzentrum Göttingen
  • Quelle:
    RöKo 2021 Industrieveranstaltung

„DCIS und invasive Mammakarzinome unter zehn Millimeter Größe erkennen“, das sollte ein Screening leisten, das zu Recht den Namen Brustkrebs-Früherkennung trägt, so Uwe Fischer, Diagnostisches Brustzentrum Göttingen. Fischer diskutierte die aktuellen Screening-Konzepte in Deutschland und Möglichkeiten zu ihrer Verbesserung.

Früherkennungskonzepte gibt es für drei Gruppen von Frauen, die nach Alter und individuellem Risiko klassifiziert werden.

Frauen mit normalem Risikoprofil ab 30. Lebensjahr: Palpation und Ultraschall

  • Die klinische Untersuchung erkennt Tumoren mit einer durchschnittlichen Größe von 2-3 cm.
  • Die Mamma-Sonographie ist in der Lage, Tumoren ab einer Größe von mindestens 8 mm zuverlässig zu erkennen.

Beide Methoden bieten für diese Gruppe nach derzeitigem Stand keinen Überlebensvorteil. Von einer wirklichen Früherkennung lässt sich hier also nicht sprechen.

Das Konzept hilft aber, Frauen für das Thema Brustkrebs zu sensibilisieren und zu informieren. Außerdem trägt es dazu bei, Frauen mit Hochrisikoprofil zu erkennen.

Neuere Ansätze zur Optimierung wie die Oberflächenabtastung mit MIRA (Metabolic Imaging Risk Assessment) haben sich bislang nicht bewährt.

Frauen mit definiertem Hochrisikoprofil ab 25. Lebensjahr: Intensivierte Früherkennung

Ursachen für ein erhöhtes Risiko können genetisch bedingt sein, therapie-assoziiert (etwa durch Bestrahlungen in der Kindheit) oder auf einem erhöhten familiären Risiko beruhen.

Zur intensivierten Früherkennung für diese Gruppe zählen

  • Ärztliche Tastuntersuchung alle 6 Monate ab 25. Lebensjahr
  • Mammasonographie alle 6 Monate ab 25. Lebensjahr
  • Mammographie alle 12-24 Monate ab 40. Lebensjahr
  • Mamma-MRT alle 12 Monate ab 25. Lebensjahr

Potenzial der Mamma-MRT

„Die Hinzunahme der MRT ist für diese Risikogruppe ein echter Quantensprung. Damit sind wir in einer anderen Liga“, sagte Fischer. Die MRT erhöht die Sensitivität enorm, sowohl im Vergleich zur alleinigen Mammographie als auch gegenüber Mammographie plus Sonographie. Die Mamma-MRT erkennt DCIS mit niedrigen Malignitätsgrad ebenso wie invasive duktale Karzinome mit einer Größe von nur 3 mm. Die Spezifität liegt mit 96-98% „auf akzeptablem Niveau“, so Fischer.

Ob das gegenwärtige Konzept für die intensivierte Früherkennung auch die Mortalität senkt, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Die Strahlenexposition sei gerade für diese Gruppe nicht wünschenswert – eventuell lasse sich in der Mammographie auf die CC-Ebene verzichten und das Intervall auf längere Zeiträume als 12 Monate ausdehnen.

Frauen mit normalem Risikoprofil vom 50. bis 69. Lebensjahr: Mammographie-Screening

Ein qualitätsgesichert durchgeführtes Mammographie-Screening hilft erwiesenermaßen, die Mortalität in der Gruppe der Frauen mit normalem Risikoprofil vom 50. bis 69. Lebensjahr zu senken. In Deutschland wird es seit 2005 im zweijährigen Intervall angeboten; aktuell nehmen rund 55% der eingeladenen Frauen am Screening teil.

Problematisch bleibt aber die Bildgebung bei dichtem Drüsengewebe. Während die Detektionsrate im Mammographie-Screening für alle Dichtestufen bei rund 70% liegt, bleiben bei einer Brustdichte von 3 und 4 etwa 60% der Karzinome in der Mammographie unentdeckt.

Brustkrebs-Screening – Detektionsraten bei Frauen mit normalem Risiko im Alter von 50 bis 69

Ergo: Für diese Frauen mit einer Brustdichte von 1 oder 2 hat das Mammographie-Screening eine hohe Sensitivität und bietet eine hohe Spezifität im Verlauf. Aber für den Dichtetyp 3 und 4 mit fehlendem Fett im Brustgewebe leistet das Mammographie-Screening keine ausreichende Diagnostik.

Mammographie-Screening – Ansätze zur Verbesserung

Um das Potenzial des Mammographie-Screenings zu verbessern, wurden verschiedene Untersuchungsmethoden ergänzend hinzugenommen – mit unterschiedlichem Erfolg:

  • Zusätzliche Sonographie =>> geringes Plus an Sensitivität (+10-15%) bei geringfügig verschlechterter Spezifität (minus 1-2%)
  • Zusätzliche automatisierte Sonographie =>> Output sind Filme, deren Auswertung extrem zeitaufwändig ist. (Fischer fand zu Sensitivität/Spezifität keine Daten.)
  • Zusätzliche Tomosynthese =>> Plus von 27% an Sensitivität und von 15% an Spezifität. Diese Methode bietet Vorteile für die Dichtetypen 2 und 3.
  • Zusätzliche Mamma-MRT =>> erhöht Sensitivität der Mammographie um 45% bei einem geringfügigen Verlust an Spezifität um 2-3%. Der Ansatz hat Vorteile für die Dichtetypen 3 und 4.

Mamma-MRT als Ergänzung zum Mammographie-Screening

Den Nutzen einer zusätzlichen Mamma-MRT als Ergänzung zum Mammographie-Screening untersuchten De Bakker et al. 2019 im Rahmen des niederländischen Screening-Programms.

Die zusätzliche Mamma-MRT senkte die Rate an Intervallkarzinomen drastisch:

  • Mammographie ohne MRT: 4,9/1.000 Screenings
  • Mammographie mit MRT: 0,8/1.000 Screenings

Die zusätzliche Mamma-MRT führte in etwa zu einer Verdoppelung der Karzinomdetektionsrate auf 16,5/1.000 Screenings.

Mamma-MRT – Voraussetzungen und Durchführung

Eine offene Spule, Kompression der Brust, eine Matrix von min 512*512 und eine MTRA mit Einfühlungsvermögen – das sind die essentiellen Voraussetzungen für die Mamma-MRT, so Fischer.

Für die Kontrastverstärkung werden nur 5-10 ml Gd-basiertes Kontrastmittel über einen peripher-venösen Zugang injiziert. Die Dosierung basiert also nicht auf dem Körpergewicht der Untersuchten. „Ohne Kontrastmittel sehen Sie nichts“, sagte Fischer, „wenn es ginge, würden wir es machen.“

Fazit

„Für das Screening von Frauen mit normalem Risikoprofil zwischen 50 und 69 Jahren und mit einer Brustdichte von 3 und 4 brauchen wir eine bessere Lösung als bisher“, resümierte Fischer. „Ideal dafür wäre die MRT. Damit erkennen wir auch die kleinen Karzinome zwischen 3 und 10 Millimetern. An diesen Tumoren bräuchte heute niemand mehr zu sterben.“

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